Sexuelle Belästigung auf dem Wohnungsmarkt
- Anna

- 14. Mai 2018
- 2 Min. Lesezeit
RTL EXTRA / REPORTAGE

In Deutschland fehlen rund 1,2 Millionen Wohnungen. In Großstädten wie München, Köln, Hamburg oder Berlin ist es besonders brisant. Hier bilden sich meterlange Schlangen vor Wohnungsbesichtigungstermin. Die Folge: Machtverhältnisse werden schamlos ausgenutzt- gerade junge Frauen können so schnell Opfer von sexueller Belästigung werden. Das musste auch Studentin Marika aus München erfahren, statt Wohnungsangebote bekam sie perfide Nachrichten von Männer, wie z.B. sie könne ein Bett umsonst bekommen- müsse es sich aber mit ihm teilen: „Man fühlt sich nur noch als sexuelles Objekt, diese Männer waren so alt – die hätten mein Vater sein können. Einfach nur pervers und widerlich.“
Die 23-Jährige erzählt mir, sie sei kein Einzelfall- vielen ihrer Freundinnen sei es ähnlich ergangen. Ich bin geschockt und wage ein Experiment…
Mit einem Lockvogel schalte ich ein Wohnungs- bzw. WG-Gesuch. Was wir als Antwort bekommen ist unglaublich! Insgesamt bekommen wir über 160 Nachrichten, der Großteil widerliche „Angebote“. Die Wohnungen in Köln seien knapp und heißbegehrt, aber mit Sex könne man da vielleicht etwas machen. Wenn wir mit den Männern schlafen, bekämen wir eine Wohnung- mal einmal die Woche, mal gemeinsam mit seinem Mitbewohner, mal jeden Tag. Wir bekommen mehrere dieser perfiden Nachrichten. Zusätzlich Dick-Pics, damit wir schon mal wissen, worauf wir uns da einlassen. Wir könnten aber auch Pornos drehen, die Wohnung könne man uns dann im Gegenzug vermieten.
Wir versuchen die Männer zustellen, um zu fragen, warum sie ihre Macht so schamlos ausnutzen, doch erleben, dass Viele zum geplanten Treffpunkt nicht auftauchen. Mehrere Monate versuchen wir unser Glück, denn fast täglich landen neue perverse Angebote in unserem Email-Postfach. Am Ende treffen wir D., der ebenfalls Sex gegen eine Wohnung fordert. Als seinen Job bezeichnet er den Drogenverkauf, er kommt angetrunken zum Treffen und wirkt extrem nervös. Als ich ihn mit offener Kamera konfrontiere, ergreift er die Flucht. Kein Wort! - obwohl er in den Mails ein doch so großes Mundwerk hatte. Schade! Seine Erklärung hätten wir gerne gewusst.
Die Dreharbeiten haben mich nachdenklich gemacht, da ich noch zu Beginn der Meinung war, es handle sich um einen traurigen Einzelfall. Dass Macht auf dem Wohnungsmarkt mittlerweile so extrem ausgenutzt wird, finde ich schier unglaublich. Frauen sollten sich wehren, was sie mittlerweile auch können! Denn die Kölner Silvesternacht hat eine neue Rechtsgrundlage hervorgebracht. Jeder Versuch eine Person in einer Notlage auszunutzen oder zu bedrängen – auch ohne körperlich zu werden – kann strafrechtlich verfolgt werden.
Aber muss erst soweit kommen?! Ein weiterer Grund an die Politik zu appellieren, dringend etwas gegen die dramatische Wohnungsmarktsituation zu tun!





















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